Verbesserung der Liquidität in kleinen Unternehmen

In der Betriebswirtschaft ist Liquidität die Fähigkeit von Unternehmen oder Personen, die fälligen Verbindlichkeiten jederzeit und vollständig begleichen zu können. Das setzt eine genaue Planung der eingehenden und ausgehenden Zahlungen voraus. Wobei die Umsätze schwer zu schätzen sind.

Selbstverständlich könnte man das benötigte Geld vorhalten. Das würde jedoch im Umkehrschluss bedeuten, dass das benötigte Kapital für operative Zwecke fehlt. Entweder das Unternehmen schränkt sich nun in seinen Tätigkeiten ein (Umsatzeinbußen) oder es muss neues Kapital aufnehmen (Zinsaufwendungen). Daher ist eine möglichst genaue Planung der Liquidität unerlässlich.

Dynamische Liquidität

Um sich zunächst vor Augen zu führen, wie hoch der Grad der Liquidität ist, könnte man diese Formel benutzen:

+ Kasse

+ Forderungen (der nächsten drei Monate)

+ geschätzte Umsätze (der nächsten drei Monate)

– Verbindlichkeiten (der nächsten drei Monate)

= geplante Liquidität

Ist das Ergebnis positiv, könnten alle kurzfristigen Verbindlichkeiten bezahlt werden. Ist das Ergebnis hingegen negativ, muss über eine Lösung nachgedacht werden. Dabei kann an den vier Stellschrauben in der Formel gedreht werden.

Wichtig: Diese Art der Liquiditätsplanung sollte von jedem Unternehmen auf wöchentlicher Basis oder 14-tägig stattfinden, um eventuelle Probleme rechtzeitig zu erkennen! Mit Hilfe von Microsoft Excel ist dieses sehr einfach möglich.

Möglichkeiten zur Verbesserung der Liquidität

Im Folgenden werden 8 einfache Schritte aufgezählt, die jeder Selbstständige mit ein wenig Aufwand schnell realisieren kann.

1. Den Kunden animieren schneller zu bezahlen

Je schneller das Geld wieder im Unternehmen ist, desto eher kann es reinvestiert werden. Das erhöht die Rendite und senkt die Zinskosten, weil das Kontokorrentkonto ansonsten hätte genutzt werden müssen. Daher gilt es mit dem Kunden kurzfristige Zahlungsziele zu vereinbaren. Als zusätzlichen Anreiz, wenn die Marge es zulässt, kann man Skonto anbieten. Diesen sollten beide Parteien immer ausnutzen.

Bei neuen Kunden sollte auf Nummer sicher gegangen und auf Vorkasse, Barzahlung oder PayPal (zusätzliche Kosten) bestanden werden. Das senkt das Ausfallrisiko und das Kapital fließt sofort zurück.

Teilzahlungen sollten vereinbart werden, wenn eine Dienstleistung über einen längeren Zeitraum zur Verfügung gestellt wird. Der Kunde kann nicht verlangen, dass ein Kleinunternehmen eine hohe Liquidität besitzt, um das gesamte Projekt vorzufinanzieren. Dafür sollen Meilensteine festgelegt werden, zu denen ein Entgelt fällig wird.

2. Den Steuerberater um eine BWA bitten

Mit Hilfe einer betriebswirtschaftlichen Auswertung auf Monatsbasis, die der Steuerberater ganz einfach (am besten als Excel-Datei) per Knopfdruck erstellt, erhält man eine sehr gute Übersicht über die Kosten und Erlöse. Mit Hilfe einfacher Excel-Kenntnisse kann dann ein Tool erstellt werden, welches die Daten lädt und anschaulich in Grafiken und Tabellen darstellt. Wenn vorher Planzahlen eingetragen wurden, ist eine Abweichungsanalyse möglich und Probleme können sofort entdeckt und angegangen werden.

3. Sell and Lease back

Anlagegüter sind sehr teuer und binden das Kapital. Dabei wird jeder Euro von kleinen Unternehmen für den operativen Betrieb benötigt. Bei teuren Anschaffungen gibt es die Möglichkeit das Gut zu kaufen und an ein spezialisiertes Unternehmen wieder zu verkaufen und es bei ihm zu mieten. Das Kapital ist somit nicht gebunden und kann investiert werden. Nachteilig ist jedoch, dass im Endeffekt mehr für die Anlage bezahlt wird, da der Vermieter ebenfalls einen Gewinn erwirtschaften möchte und gleichzeitig das Ausfallrisiko übernimmt.

Gleichzeitig sollte man nicht zu viele Güter leasen, da die Verträge oftmals langfristig sind, keine Ausstiegsklausen besitzen und daher zu hohen Fixkosten führen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten können diese Verträge zu ernsthaften Problemen führen!

4. Wirtschaftlichkeitsrechnungen durchführen

Bedeutet nichts anderes als die gesamten Kosten eine Anlagegut mit einer Alternative zu vergleichen, beziehungsweise die Berechnung der Gesamtkosten einer Anlage über die komplette Laufzeit.

Oftmals wird der Aufwand (Reparaturen, Abschreibungen, Zinsen), der in den nächsten Jahren für das Gut anfällt, nicht korrekt berechnet. Dann werden Zahlungen fällig, es fehlt aber an Liquidität, ein Kredit muss aufgenommen werden. Daher sollten die Aufwendungen möglichst genau geschätzt und in den Liquiditätsplan eingetragen werden. Für das aktuelle und nächste Jahr monatsgenau, darauffolgende Jahre können auf Jahresbasis geschätzt werden.

5. Erstellung eines Liquiditätsplans

Wie schon in den vorherigen Tipps zu lesen, ist es essentiell eine möglichst genaue Liquiditätsplanung zu besitzen. Alle Einnahmen, Ausgaben und SOLL-Planungen müssen hier eingetragen werden. Eine grafische Aufbereitung hilft die tabellarischen Daten darzustellen und Problem frühzeitig aufzudecken.

Eine Beispieldatei wird bei Zeiten hier eingefügt. Sie könne mir auch gerne schreiben und ich helfe Ihnen bei der Erstellung via Excel.

6. Lagerbestand niedrig halten

Der Lagerbestand umfasst das Umlaufvermögen. Dieses findet sich ebenfalls wie das Anlagevermögen aus Punkt 3 auf der Aktivseite der Bilanz und führt bei zu hohen Beständen zu einer Bindung des Kapitals, welches dann für notwendige Investitionen nicht mehr zur Verfügung steht. Daher sollte eine genaue Analyse der Güter mittels ABC- und XYZ-Analyse durchgeführt und Mindest- und Höchstbestände festgelegt werden. All diese Werkzeuge führen dazu, dass weniger Kapital benötigt wird da die Lagerkosten (Lagerplatz, Versicherungen, Auschuss, Betriebskosten..) stark sinken!

7. NACH VERZUG SOFORT MAHNEN

Viele kleine Mittelständler haben ihre offenen Forderungen nicht im Blick, da sie sich eher auf das operative Geschäft konzentrieren und das Administrative außer Acht lassen. Das führt unter anderem letztendlich dazu, dass Forderungen nicht rechtzeitig angemahnt werden. Daher sollte wöchentlich eine OPOS-Liste (Offene Positionen) vom Steuerberater angefragt werden und an einem Wochentag überprüft werden, ob die Rechnung bezahlt wurde. Überfällige Rechnungen müssen am besten sofort per E-Mail an die Zahlung erinnert werden.

Sollte eine Woche später noch immer kein Zahlungseingang vorzufinden sein, muss eine Mahnung geschickt werden, in welcher Verzugszinsen angedroht werden. Generell gilt laut BGB, dass nach 30 Tagen nach Rechnungszugang der Schuldner Verzugszinsen zu zahlen hat. In den AGB können jedoch auf kürzere Zahlungsziele (z.B. 14 Tage) vereinbart werden. Dann tritt der Verzug schon früher in Kraft.

8. Factoring

Oftmals lassen sich Zahlungsziele nicht mehr verkürzen oder der Kunde reagiert nicht mehr auf Mahnungen. Bei erst genannten besteht die Möglichkeit die Forderungen (mit Abschlag) zu verkaufen. Die Margen sollten daher hoch sein. Bei zweiten Punkt wird die Forderung an ein Inkassounternehmen abgetreten (mit noch größerem Abschlag).

Factoring sollte eine der letzten Möglichkeiten sein, seine Liquidität zu verbessern, da sie sehr teuer ist.

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