Der Interessenkonflikt zwischen Lieferanten und Unternehmen bei Skontoausnutzung

In meiner Bachelorarbeit ([1], S.27ff.) habe ich festgestellt, dass KMU neben Bankkrediten vorwiegend Lieferantenskonti nutzen, um sich zu finanzieren. Dass hierbei ein hohes Verbesserungspotential besteht, möchte ich nachfolgend darstellen. Es wird dabei auf den Interessenkonflikt zwischen Einhaltung der gesetzten Skontofrist des Lieferanten und der Ausnutzung des vollen Skontozeitraums des Unternehmers eingegangen.

Grundlegendes Verständnis

Folgendes Beispiel erklärt zunächst den grundlegenden Rahmen:

Die Zahlungsbedingung einer fiktiven Rechnung lautet:

1.595,00 EUR brutto, 14 Tage 3% Skonto, 30 Tage netto

Der Unternehmer erhält einen kostenlosen Kredit über 14 Tage vom Lieferanten. Wird der Kredit nun am 14. Tag nicht beglichen, muss das Unternehmen den vollen Preis, inklusive der drei Prozent Skonto, innerhalb der nächsten 16 Tage begleichen. Hätte der Unternehmer den Kredit früher bezahlt, hätte er sich 69,6 Prozent effektive Jahreszinsen sparen können, die der Lieferant für den Kredit verlangt.

effektiver Skontojahreszinssatz

 

In diesem Beispiel wird eine weitere Annahme getroffen. Der Dispositionszinssatz des Kontokorrentkontos eines kleinen Mittelständlers beträgt 8 Prozent (p.a.), aufgrund seiner Größe und hohen Ausfallwahrscheinlichkeit.

Das Unternehmen zahlt am 14. Tag und nutzt den gesetzten Skontozeitraum voll aus. Dafür wird jedoch das Kontokorrentkonto mit 1.595,00 EUR überzogen. Das Unternehmen benötigt somit für 16 Tage einen Kredit von der Bank. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass der Unternehmer das gekaufte Produkt innerhalb der 30 Tage verkauft und sein Kunde am 16. Tag der Kreditfälligkeit ebenfalls zahlt.

Für den Kontokorrentkredit zahlt das Unternehmen 5,67 EUR, durch das Ausnutzen des Skontos spart das Unternehmen 47,85 EUR. Die Ersparnis bei Nutzung des Kontokorrents beträgt 42,18 EUR (2,64 Prozent).

Der Interessenkonflikt

Soweit kennt man die Berechnung aus dem Lehrbuch. In der Praxis ist es hingegen üblich, dass das Rechnungsdatum nicht mit dem Eingangsdatum übereinstimmt. Die Rechnung wird am 25.05. erstellt (Skontofrist läuft bereits), am 31.05. zugestellt und in der Buchhaltung erfasst. Mittlerweile sind 7 der 14 Tage für die Skontoausnutzung vorüber. Was hat das für Auswirkungen?

Zunächst einmal gilt: Rechnungsdatum = Leistungsdatum. Das ist oftmals nicht gegeben. Die Ware ist noch nicht geliefert, die Rechnung liegt aber bereits vor. Das Unternehmen hat daher weniger Zeit das Produkt zu verkaufen. Daraus folgt ein verspäteter Zahlungseingang durch den Kunden. Aus unserem Beispiel entnehmen wir sieben Tage Verspätung. Das Kontokorrentkonto ist nun 23 statt 16 Tage im Haben, es fallen insgesamt 8,15 EUR Zinsen an, 2,48 EUR mehr. Die Ersparnis beträgt nur noch 39,70 EUR (2,49 Prozent). Die Ersparnis sinkt um ganze 5,9 Prozent!

Hier sollte der Rechnungsempfänger auf dem Eingangsdatum als Startzeitpunkt für den Skontozeitraum bestehen. Aus Kulanz könnte er auch zwei Tage eher ansetzen, um den postalischen Weg einzubeziehen. Generell sollte das Eingangsdatum jedoch dem Rechnungsdatum entsprechen.

Dem Lieferanten wird das hingegen wenig gefallen. Er hat seine Leistung längst erbracht und wartet auf die Bezahlung, da auch er Rechnungen rechtzeitig zahlen muss. Er wird dahingehend argumentieren, dass die Post für die Zustellung so lange gebraucht hat und ihn keine Schuld trifft. Diese Behauptung kann entkräftet werden. Laut Deutscher Post [2] benötigen 95 Prozent aller Briefe nur einen Werktag zur Zustellung. Spätestens am zweiten Tag sollte die Rechnung ankommen.

Weitere Argumente kann der Lieferant nicht anbringen. Jedoch kann er anderweitig Druck ausüben. Durch eine hohe Abhängigkeit des Unternehmers vom Lieferanten (besonders KMU), können Verhandlungen erschwert oder Rabatte nicht mehr gewährt werden.

Es sollte ein offener Dialog zwischen beiden Parteien erfolgen, um diesen Zielkonflikt zu beseitigen. Ein Ende der Beziehung wünscht sich wohl keiner der Geschäftspartner.

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[1] SAWICZ, Michael (2016), S. 27ff.

[2] https://www.deutschepost.de/de/q/qualitaet_gelb.html

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