Börse für Anfänger (5): Feststellung der eigenen Risikotoleranz

Einschätzen der eigenen Risikobereitschaft

Manche Menschen springen gerne aus Flugzeugen, andere werden schweißnass, sobald sie nur einen Fuß auf den Flughafen setzen. Diese beiden Extreme gibt es auch im Finanzmarkt. Hier entscheiden dann Gefühle über Kauf und Verkauf. Und genau das darf nicht passieren. Finanzen sind ausschließlich rational zu betrachten. Aber kein Mensch kann ausschließlich rational denken.

Mittlerweile hast du einige Artikel der Serie gelesen und weißt schon eine Menge über die Anfänge deines Depots. Du hast ein finanzielles Polster auf einem Tagesgeldkonto, hast deine Einnahmen und Ausgaben analysiert und einen monatlichen Sparbetrag festgestellt. Der nächste Punkt, der vor der dem ersten Kauf von Wertpapieren erfolgen muss, ist die Feststellung der eigenen Risikotoleranz.

Die Risikotoleranz hängt von verschiedenen Variablen ab. Zum einen gibt es die Anlagedauer. Investiert man Geld in ein Depot für den eigenen Nachwuchs, ist der Anlagehorizont lang. Spart man hingegen für ein neues Auto, weil das alte in zwei Jahren nicht mehr über den TÜV kommt, ist die Spardauer nur sehr kurz. Den längsten Anlagehorizont hat in der Regel die Altersvorsorge. In der Regel sollte man damit möglichst in jungen Jahren beginnen und nicht erst kurz vor Ende des Arbeitslebens.

Was ist aber, wenn man nicht als 18-jähriger mit der Altersvorsorge startet, sondern als 50-jähriger? Ein Jungspund kann noch viele Börsenstürze erleben und Aussitzen. Ein Mensch älteren Semesters könnte das Kapital hingegen genau zu dem Zeitpunkt benötigen, wenn die Aktienbörsen auf Talfahrt sind. Er kann diesen Börsensturz leider nicht aussitzen. Daher trägt auch das individuelle Alter zur Risikotoleranz bei.

Zum andern hat die eigene Psyche einen immensen Anteil auf die Risikotoleranz. Wie reagiert man persönlich, wenn die Börsenkurse fallen? Und das nicht nur zwei, drei Tage hintereinander, sondern über mehrere Wochen und teilweise mit starken Einbrüchen. Diese Erfahrung kann man nur schwer einschätzen, man muss sie erlebt haben. Ich wünsche sie keinem, jedoch kommt es irgendwann unweigerlich dazu. Dann nur nicht panisch werden. Die Börsen erholen sich wieder! Das kann aber schon mal 5, 6 Jahre dauern.

Ich schrieb gerade bewusst Aktienmärkte, da diese stark volatil im Gegensatz zu Anleihen und Immobilen sind. Stell dir vor, du besitzt 10.000 EUR. Könntest du ruhig schlafen, wenn der Wert dieses Depots täglich sinkt und sinkt, die Medien durchgehend über kollabierende Märkte berichten und auch deine Freunde dir raten zu verkaufen, zu nehmen, was noch übrig ist? Daher trägt die Quote stark volatiler Wertpapiere ebenfalls zur Risikobereitschaft bei.

Wie helfen dir nun diese Feststellungen? Ich habe daher eine Tabelle erstellt, die dir näherungsweise die Quote für stark volatile Anlageklassen, wie Aktien eine sind, aufzeigt:

Maximal tolerierbarer Verlust in Prozent 0 5 10 15 20 25 30 35
Empfohlener Anteil stark volatiler Wertpapiere im Depot 0 10 20 30 40 50 60 70

 Jetzt musst du für dich festlegen, wie weit du gehen willst. Bedenke bitte dabei:

“Finanzielle Verluste werden in denselben Gehirnarealen verarbeitet wie Lebensgefahr.” – Jason Zweig in Your Money and your brain (2008)

 

 

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