Börse für Anfänger (1): Aller Anfang ist schwer

Einleitung

Man kennt es. Der Ausbildungs- oder der erste Arbeitsvertrag ist gerade unterschrieben. Die ersten Monatsgehälter wurden voller Euphorie ausgegeben. Doch nun setzt die Ernüchterung ein.

„Ich kann doch nicht jeden Monat mein Gehalt auf den Kopf hauen. Ich sollte etwas beiseitelegen, um später nicht so stark auf die staatliche Rente angewiesen zu sein.“

Zugegeben, wenn du solch einen Gedankengang hast, bist du bereits einen großen Schritt nach vorne gegangen. Viele Menschen in Deutschland leben von der Hand in den Mund und wundern sich, weshalb am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist. Diese Menschen beschweren sich dann sogar noch lauthals, dass ihr Gehalt so niedrig sei, dass sie keinen Euro zur Seite legen könnten. Hier muss ich allerdings anmerken, dass es auch Einzelschicksale gibt, bei denen es stimmt. Vor allem die Gruppe der alleinerziehenden Mütter ist hiervon stark betroffen. Jedoch verdient das Gros der Menschen in Deutschland genug, um vorzusorgen. Eine einfache Aufstellung aller monatlichen Einnahmen und Ausgaben sollte der erste Schritt sein, um Einsparpotentiale aufzudecken. Ein Tipp am Rande: Partymachen kostet ziemlich viel Geld.

Diese Artikelserie richtet sich vorrangig an Menschen, die den Ernst der Lage erkannt haben und vernünftig für das Alter vorsorgen möchten. Wenn Sie nicht zu dieser Gruppe gehören, lohnt es sich trotzdem diese zu lesen. Sie werden erkennen, dass sich das Sparen mit Hilfe von Wertpapieren lohnt und die Börse nicht nur der Spielplatz von Spekulanten ist, sondern das, was sie auch sein sollte: Ein Marktplatz für Investoren.

Aller Anfang ist schwer

Meine erste Sparerfahrung erfuhr ich mit 18 Jahren. Nachdem ich meinen Ausbildungsvertrag unterschrieben hatte, machte ich einen Termin bei meiner ortsansässigen Sparkasse fest. Nach einem langen Gespräch unterschrieb ich zwei Verträge. Zum einen schloss ich eine Riester-Rente ab, zum anderen einen Bausparvertrag.  Letztendlich ein großer Fehler. Damit ich alle Einzahlungen und Zinsen aus der Riester-Rente zurückerhalten hätte, müsste ich das 104. Lebensalter erreichen. Zum anderen stößt mir die Anrechnung der Riester-Rente auf die Mindestsicherung auf. Bedeutet: Würde ich eine Rentenhöhe unter der Grundsicherung erhalten und müsste somit aufstocken, würde aber gleichzeitig eine Riester-Rente erhalten, würde diese auf die normale Rente angerechnet werden. Wenn staatliche Rente und Riester-Rente zusammen einen höheren Betrag als die Grundsicherung ergeben, kann nicht mehr aufgestockt werden. Daher dient die Riester-Rente nur der Entlastung des Staates. Ein weiterer Punkt, weshalb ich gegen die Riester-Rente bin: Man kann den Vertrag nicht kostenlos pausieren. Er kostet jedes Jahr Geld. Hätte ich ihn nicht aufgelöst, hätte ich dafür jährlich eine Verwaltungsgebühr von 10 EUR zahlen müssen. Dann wäre er bis zum Renteneintritt pausiert geblieben und ich hätte monatlich eine zusätzliche Rente von 9,65 EUR erhalten.

Ich habe die Riester-Rente nach diesen Erkenntnissen sofort gekündigt.

Den Bausparvertrag kündigte ich ebenfalls nach Ende der Ausbildung, da das Pausieren und Aufbewahren ebenfalls zusätzliche Gebühren gekostet hätte. Zudem war die Verzinsung von einem Prozent ein Ärgernis und ich wollte eh kein Haus bauen.

Wie du siehst, war ich unerfahren und schloss blind Verträge, die mir eine abgesicherte Zukunft suggerieren sollten.

So ergeht es vielen Menschen in Deutschland. Sie lassen sich durch Banken und Versicherungen fremdbestimmen. Sie zahlen lebenslang hohe Provisionen an diese Anbieter und lassen sich hohe Renditen entgehen.

Wenn man sich einen neuen Fernseher oder ein Handy kaufen möchte, dann werden doch auch die verschiedenen Modelle verglichen. Und zum Schluss wird der günstigste Anbieter ausgesucht. Weshalb wird dieses nicht beim Thema Geld gemacht? Vielleicht weil es kein alltägliches Thema ist. Vielleicht auch, weil die Begriffe „Börse“ und „Altersvorsorge“ in vielen Köpfen eine Blockade auslösen. Die Finanzbranche hat im letzten Fall gute Arbeit geleistet.

Auch gern genannte Argumente (meistens am Stammtisch) sind:

  • „Ich habe keine Zeit mir das Wissen anzueignen. Außerdem ist es langweilig.“
  • „Börse? Das ist doch nur Spekulation.“
  • „Die Zeitung sagt, dass der DAX auf seinem Jahreshoch ist. Das kann nur noch runtergehen.“
  • „Dafür habe ich kein Geld.“

Mit Hilfe dieser Artikelserie werde ich versuchen diese „Argumente“ zu entkräften und Ihnen eine Schritt-für-Schritt-Anleitung in die Hand zu geben. Im nächsten Artikel wirst du erfahren, welches Werkzeug und Wissen du benötigst, um richtige finanzielle Entscheidungen treffen zu können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.