Asset-Klasse: Anleihen

Willst du gut Essen, investiere in Aktien. Willst du ruhig Schlafen, investiere in Anleihen – André Kostolany

Er trifft mit dieser Aussage den Nagel auf den Kopf. Aktien sind hoch volatil, Anleihen haben dagegen ein geringeres Risiko, damit aber auch eine geringere Chance auf eine hohe Rendite.

Anleihen, auch Rentenpapiere oder bonds genannt, sind – lapidar ausgedrückt – Kredite von Investoren an ein Unternehmen oder einen Staat.

Ein Unternehmen benötigt Kapital, um Verbindlichkeiten zu bezahlen oder um Investitionen zu tätigen. Dabei geht es beispielsweise um die Summe von 10.000.000 EUR. Das Unternehmen entschließt sich an den Kapitalmarkt zu treten, weil es aus unterschiedlichen Gründe nicht zu einer Bank gehen möchte oder kann:

  • Es verteilt die Schulden bei mehreren Investoren, damit ein Investor nicht irgendwann zu viel Einfluss besitzt
  • Es erhofft sich durch den Kapitalmarkt geringere Zinsen
  • Kreditinstitute sind nicht bereit dem Unternehmen Kapital zu leihen

Da das Unternehmen sehr viele Investoren haben will, wird festgelegt, dass die Anleihe in 1.000 EUR Einheiten aufgeteilt wird. Daraus ergeben sich  10.000.000 : 1.000 = 10.000 Stücke. Bevor die Anleihe auf dem Markt platziert wird, muss der Zinssatz (Kupon) festgelegt werden. Wird er zu hoch angesetzt, zahlt das Unternehmen mehr, als es bei einem Kreditinstitut aufbringen müsste. Vorteilhaft ist dabei, dass die Anleihe mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit voll platziert wird (Jedes Stück wird von Investoren gekauft), weil der Zinssatz so hoch ist. Auf der anderen Seite, wenn der Kupon zu niedrig angesetzt wird, kann es passieren, dass nicht alle Einheiten verkauft werden können und das Unternehmen nicht die anvisierten 10.000.000 EUR einnimmt.

Daher werden vorher sogenannte Roadshows organisiert. Es werden Großinvestoren eingeladen und das Unternehmen, die Mittelverwendung und ein Zinskorridor [1] vorgestellt. Das Unternehmen kann dann in Gesprächen Meinungen einholen.

Daraufhin wird eine öffentliche Zeichnung eröffnet. Jeder Investor kann dann verbindlich in das (digitale) Buch eintragen, welchen Betrag er investieren möchte. Nachdem die Zeichnung abgeschlossen wurde, bekommt jeder Investor seine Anleihen ins Depot gebucht.

Natürlich kann man Anleihen auch über den Zweitmarkt kaufen. Dieses funktioniert dann wie beim Aktienkauf. Anleihen werden jedoch meistens in 1.000 EUR Schritten verkauft. Die Preisangabe steht aber meistens in Prozent. das klingt zunächst verwirrend, ist allerdings einfach zu verstehen:

Wenn eine Anleihe mit 99,6 Prozent notiert, bedeutet dies, dass sie 996 EUR kostet (0,996 * 1.000 EUR (Ausgabekurs)). Es ist auch möglich, dass die Anleihe auf 10.000 EUR lautet. dann kostet sie 9.996 EUR.

In diesem Beispiel wurde die Anleihe mit 1.000 EUR ausgegeben, der Kupon beträgt 3,5 Prozent, die Laufzeit 4 Jahre. Das Unternehmen verpflichtet sich somit, 35 EUR Zinsen jährlich zu zahlen. Die meisten Kupons werden halbjährlich gezahlt.

Kursfindung einer Anleihe

Als Wert einer Anleihe gilt der Barwert [2] aller in der Zukunft erwarteten Zahlungen (d. h. Kuponzahlungen und Nennwertrückzahlung). Zum Nachlesen findet sich bei Wikipedia ein guter Text.

Rechnung für meine Beispielanleihe. Der risikolose Zinssatz beträgt 1 Prozent:

barwert_anleihe1

Kurz nach der Ausgabe der Anleihe steigt der Marktzinssatz für risikolose Wertpapiere auf 4 Prozent:

barwert_anleihe2

Der Wert der Anleihe sinkt unter den Ausgabepreis, weil es nun sinnvoller ist in den risikolosen Zinssatz zu investieren. Man bekommt zwar am Ende der Laufzeit die 1.000 EUR wieder und auch weiterhin die 35 EUR Zinsen. Würde man aber 1.000 EUR risikolos investieren, würde man 40 EUR Zinsen erhalten. Gleichzeitig beherbergen Anleihen nicht nur ein Zinsänderungsrisiko, sondern auch weitere.

Risiken von Anleihen

Kennengelernt haben wir bereits das Zinsänderungsrisiko. Daneben gibt es noch das Bonitätsrisiko des Emittenten. Das bedeutet, dass das Unternehmen entweder die Zinsen nicht zahlen oder sogar das geliehene Kapital nicht zurückzahlen kann. Je höher die Bonität ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls. Die Bonität wird beim Diskontierungszinssatz berücksichtigt. Statt 1 Prozent, würde man mit 2,5 Prozent diskontieren (abzinsen), um das Risiko eines Zahlungsausfalls zu berücksichtigen.

Fazit

Anleihen sind ein wunderbares Wertpapier, um Vermögen zu erhalten. Der Kupon muss dabei jedoch mindestens die Inflation decken. Leider sind keine großen Kurssprünge nach oben zu erwarten, was Anleihen nicht besonders zum langfristigen Vermögensaufbau qualifiziert. Hierzu sind Aktien die bessere Wahl.

 

Der vierte Teil wird Immobilen zum langfristigen Vermögensaufbau beleuchten.

 

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[1] Ein Zinskorridor kann durch einen Credit Spread ermittelt werden, indem man vergleichbare Unternehmen und Anleihebedingungen ermittelt und sie mit dem eigenen Unternehmen vergleich.

[2] Der Barwert definiert sich folgendermaßen: Die Zinsen in der Zukunft sind auf heute zurückgerechnet weniger Wert, da die Inflation ihren Wert mindert. Daher muss eine zukünftige Zahlung abgezinst werden. Dieses passiert durch den Marktzinssatz.

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