Asset-Klasse: Aktien

Im ersten Teil habe ich festgestellt, dass das Sparguthaben auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten real vernichtet wird und eine Umschichtung in Aktien, Anleihen und Immobilien erfolgen sollte.

Natürlich sollte man jetzt nicht wie wild zu seiner Hausbank rennen und eine völlig sinnlose Aktienorder aufgeben. Zunächst muss man sich mit den Vor- und Nachteilen dieser Asset-Klassen auseinandersetzen.

In diesem Aufsatz wird die Asset-Klasse „Aktie“ anhand eines fiktiven Beispiels näher erläutert.

Aktien sind eine Verbriefung, dass man einen Teil des Unternehmens besitzt, bedeutet einen Teil vom Eigenkapital (Nur das Eigenkapital stellt den wahren Marktwert des Unternehmens dar).

 

Bilanz

Anlagevermögen  €             800.000 Eigenkapital  €          1.500.000
Umlaufvermögen  €          1.050.000 Fremdkapital  €             350.000

 

Gehen wir nun davon aus, dass das Unternehmen eine GmbH war und sich nun in eine Aktiengesellschaft umfirmiert, um neues Kapital zu erhalten.

Das Unternehmen entschließt sich, 1.500.000 Aktien auszugeben. Dies bedeutet, dass jede Aktie einen Nennwert von 1,00 EUR hat und man beim Kauf einer Aktie 0,000067 % vom Unternehmen besitzt (1/1.500.000 x 100).

Die Unternehmung könnte auch nur 100.000 Aktien ausgeben, dann hätte jede Aktie einen Nennwert von 15 EUR. Beim Besitz einer Aktie wäre man nun Eigentümer von 0,001 % des Unternehmens.

Das Unternehmen hat aber kein Interesse daran, dass ein Investor mit nur einer Aktie so viel vom Unternehmen besitzt. Daher wählt es die kleine Stückelung zu 1 EUR.

Wenn das Unternehmen nun 1.500.000 Aktien zu einem EUR verkaufen würde, würde es nur 1.500.000 EUR bekommen. Es würde sein Kapital nicht erhöhen, was das Ziel war. Daher verkauft das Unternehmen die Aktien zu (beispielsweise) 5 EUR das Stück.

Jetzt muss es Investoren finden, die bereit sind, für 1 EUR vom Eigenkapital (Nennwert beträgt ja 1 EUR) 5 EUR zu bezahlen. Die Investoren werden sich nun überlegen:

  • Wie werden sich die Gewinne entwickeln?
  • Ist das Unternehmen zukunftsfähig?
  • Vertraue ich dem Management?
  • Ist das Unternehmen innovativ?

Gehen wir nun davon aus, dass das Unternehmen alle 1.500.000 Aktien zu 5 EUR verkauft. Es macht einen Erlös von 7.500.000 EUR (Kosten werden der Einfachheit halber nicht berücksichtigt). Das bedeutet, dass es sein Eigenkapital um stolze 6.000.000 EUR erhöht hat! Nun kann es diese neuen Mittel investieren und weiter wachsen.

 

 

Bilanz

Anlagevermögen  €             800.000 Eigenkapital  €          7.500.000
Umlaufvermögen  €          7.050.000    – Kapitalrücklagen  €          6.000.000
   – Bank  €          6.000.000 Fremdkapital  €             350.000

 

Die Aktien sind jetzt im Börsenhandel und können von Jedermann erworben werden. Das Unternehmen übertrifft die Erwartungen der Investoren, die Nachfrage nach den Aktien steigt und auch der Preis, weil die Nachfrager bereit sind mehr als die 5 EUR zu bezahlen. Aufgrund von Geldnot der Investoren für Weihnachtsgeschenke, den Urlaub oder des Vertrauensverlusts (Investoren glauben nicht mehr an das Unternehmen, weil sie anscheinend etwas zu wissen glauben, was der Markt noch nicht weiß), fällt der Preis der Aktie zeitweise. Dadurch ergeben sich tägliche Schwankungen, die teilweise auch extrem sein können.

Nach einem Jahr wird der Jahresabschluss auf der Hauptversammlung veröffentlicht. Dabei wird ein Gewinn von 800.000 EUR ausgewiesen. Die Aktionäre stimmen bei der folgenden Abstimmung zu, dass 50 Prozent davon ausgeschüttet werden sollen. Die andere Hälfte soll als Eigenkapital eingestellt werden und dem Unternehmen mehr finanziellen Spielraum schaffen.

Die Dividende beträgt somit 0,26 EUR je Aktie (400.000 / 1.500.000). Für jemanden, der die Aktie zu 5 EUR gekauft hat, bedeutet dies eine Bruttorendite von 5,2 Prozent (0,26/5*100). Hat ein Investor die Aktie auf dem Zweitmarkt [1] für einen höheren Preis gekauft, z.B. 8 EUR, so hat er nur eine Bruttorendite von 3,25 Prozent. Abzüglich der Inflation erhält man die Nettorendite.

Am Tag nach der Ausschüttung der Dividende fällt der Aktienkurs natürlich um mindestens die 0,26 EUR, weil das Kapital das Unternehmen verlässt. Das Unternehmen ist somit um 400.000 EUR weniger wert. Der Aktienkurs wird sich jedoch schnell erholen, weil die Investoren davon ausgehen, dass das Unternehmen diese 400.000 EUR innerhalb des neuen Geschäftsjahres wieder erwirtschaftet.

Folgendes kann man über Aktien festhalten:

  • Man ist (Teil-) Eigentümer eines Unternehmens
  • Aktien sind hoch volatil (Wert schwankt stark)
  • Der Aktienpreis, beziehungsweise seine Entwicklung, zeigt, wie der Markt die Entwicklung des Unternehmens einschätzt
  • Aktiengesellschaften schütten in der Regel eine Dividende aus, wenn sie einen Gewinn erwirtschaftet haben
  • Aktien bieten in der Regel einen Inflationsschutz, da die Wertentwicklung langfristig positiv ist und die Dividendenzahlungen ebenfalls über der jährlichen Inflation liegen

 

Dieses fiktive Beispiel ist sehr stark vereinfacht. Um mehr Informationen über Aktien zu erhalten, lohnt eine Literaturrecherche und gleichzeitig Fragenstellen.

Im nächsten Teil dieser Serie wird auf die Asset-Klasse Anleihen eingegangen.

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[1] Von Erstmarkt ist die Rede, wenn die Aktie zum ersten Mal gekauft werden kann, nämlich vom Emittenten, dem Unternehmen. Der Zweitmarkt ist der Markt, auf dem man die Aktie vom ersten Käufer kaufen kann. Im Erstmarkt bekommt das Unternehmen das Geld, beim Zweitmarkt der Investor.

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