Aktienvorstellung: American Water Works

Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Aktienvorstellung. Heute möchte ich euch den US-Amerikanischen Wasserversorger American Water Works vorstellen. Leider sind deutsche Wasserversorger keine Aktiengesellschaften und somit können wir nicht in sie investieren. Daher müssen wir auf das Ausland zugreifen und hier habe ich mir den größten Versorger aus den USA ausgesucht.

Hier noch der obligatorische Disclaimer nach §34b WpHG: Wir können teilweise selbst direkt oder indirekt im Besitz der angesprochenen Wertpapiere sein. Die Unternehmensanalyse stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Die analysierte Aktie unterliegt Kursschwankungen. Im Extremfall ist ein Totalverlust möglich.

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Unternehmensvorstellung

1886 gegründet, versorgt American Water Works heute über 14.000.000 Menschen in über 46 Bundesstaaten mit Trinkwasser und entsorgt Abwasser. Neben normalen Haushalten wird die Industrie mit Frischwasser und der Entsorgung von Abwasser versorgt. Zu den Kunden zählen ebenfalls 11 Militärstandorte der US-Streitkräfte. Deren Verträge sind meistens über eine Laufzeit von 50 Jahren abgeschlossen.

American Water Works 1

 

2018 besaß das Unternehmen über 80.000 Kilometer Wasserrohre und belieferte damit ca. 14.000.000 Kunden. Eine Gallone Wasser, was in etwa 3,79 Litern entspricht, kostet weniger als 1 US Cent! Das sind umgerechnet und aufgerundet 0,0090 EUR. Auf den Kubikmeter hochgerechnet sind das 2,35 EUR. Teilweise günstiger als hier in Deutschland! Und da sag mir doch einer, dass die Wasserwirtschaft nicht privatisiert werden sollte.

American Water Works 2

Viele Städte in den USA unterhalten eigene Wasserwerke und die Investitionen in deren Infrastruktur ist kostspielig. Gerade die öffentliche Hand leidet unter leeren Kassen, so dass bei der Infrastruktur und Bauunterhaltung gespart wird. Der ASCE (Verband von Bauingenieuren) bescheinigt den USA beinahe ein Mangelhaft für den Zustand des Wassernetzwerks. Über 44% der Rohre werden als schlecht, sehr schlecht oder gar als „Lebensende erreicht“ klassifiziert. Hier wird American Water Works tätig. Sie kaufen günstig bestehende Netzwerke auf, erhalten somit Zugang zu dem Markt und unterhalten eben diese Netzwerke. Die Stadt hat ein Problem weniger und American Water Works gewinnt neue Kunden und steigert die Umsätze.

American Water Works 3

Und so sieht auch die Wachstumsstrategie aus. In den vergangenen 5 Jahren wurden 83 Netzwerke aufgekauft. Dieses beinhalteten 173.000 neue Kunden. In den nächsten 5 Jahren sollen noch einmal weitere 695.000 Kunden hinzukommen.

American Water Works 4

Dividende

Wie schaut es mit den Dividenden aus? Seit 2010 habe ich die Ausschüttungen betrachtet und ich kann feststellen, dass sie Jahr für Jahr steigen. In den letzten 10 Jahren wurde die Dividende um ca. 5,1 % jährlich gesteigert. Bedingt durch Zukäufe und Kostenreduktionen, konnte die Ausschüttungshöhe in den letzten 5 Jahren sogar um 10,2% pro Jahr erhöht werden. Derzeit beträgt die Dividende 2,15 USD. Interpoliere ich diesen Wert mit der durchschnittlichen Erhöhung, ergibt sich ein Wert von 3,05 USD in 2023.

American Water Works Dividende

Ausschüttungsquote

Dividenden sollten immer aus dem Gewinn bezahlt werden. Daher ist es wichtig, neben der Dividendenrendite und –steigerungsrate auch die Ausschüttungsquote zu betrachten. Dafür setze ich die Dividenden je Aktie ins Verhältnis zum operativen Cashflow. Wie du unschwer erkennen kannst, bewegt sich die Ausschüttungsquote in den letzten 5 Jahren immer zwischen 20 und 25%. Daher bleiben genügend freien Mittel für Investitionszwecke und für Rückzahlung von Schulden übrig. Wenn ich die vergangene durchschnittliche Entwicklung der Umsätze und Margen in die Zukunft fortschreibe und auch die angenommene Dividendenerhöhung aus der vorherigen Folie berücksichtige, wird die Ausschüttungsquote 2023 auf niedrige 30% steigen.

American Water Works Ausschüttungsquote

Fairer Wert anhand der Dividendenrendite

Wenn du nun auf den Geschmack gekommen bist diese Aktie zu kaufen, dann pass noch einmal kurz auf. Denn American Water Works sollte man nicht zu jedem Preis kaufen.

Hier siehst du den Kursverlauf und die Berechnung des fairen Werts anhand der durchschnittlichen fünfjährigen Dividendenrendite. Auffällig ist, dass es keine größeren Schwankungen im Kursverlauf gibt. Das rührt daher, da es sich hier um einen Versorger handelt, der einen immensen Burggraben besitzt. Dadurch gibt es keine bis wenig Konkurrenz in den Versorgungsgebieten. Auch gut zu erkennen ist, dass sich der Kurs immer der Dividendenrendite anpasst. Manchmal gibt es Ausbrüche über den fairen Wert. Dann sollte man warten, bis der Kurs korrigiert.

American Water Works Fairer Wert

Jetzt in 2020 siehst du ebenfalls eine Überbewertung, die seit 2019 andauert. Der starke Knick nach unten am Ende des Graphen ist die Korrektur der Märkte aufgrund des Corona-Virus. Der Wert der Aktie ist nur auf den Wert Anfang des Jahres gefallen und immer noch überbewertet. Der Aktuelle faire Wert betrüge meinen Berechnungen nach 115,30 USD. Aktuell sind wir bei 124 USD, knapp 7,5% drüber.

Das Kurspotential bis 2023 beträgt 148,45 USD was einer Rendite von 3,7% p.a. bedeutet. Eingepreist sind hier die Umsatz- und Dividendensteigerungen aus den vorangegangen Graphen.

Verschuldung

Zwar kann die Ausschüttungsquote gering sein, wenn aber die Verschuldung zu hoch ist, kann das Unternehmen in Abhängigkeit geraten und ein externer bestimmt die Unternehmenspolitik. Daher ist es wichtig sich die Verbindlichkeiten anzuschauen.

Bei American Water Works sieht die kurzfristige Verschuldung sehr gesund aus. Sie beträgt das maximal 2fache des EBIT. Das heißt, das Unternehmen könnte seine kurzfristigen Schulden wie Lieferantenkredite und Kontokorrentverbindlichkeiten innerhalb von 2 Jahren mit seinen Erträgen ausgleichen.

Die langfristige Verschuldung sieht hingegen nicht so gut aus. Sie sollte maximal das 6fache des EBIT betragen. Durch das geringe Zinsniveau ist es aber nicht weiter tragisch, da sich die Zinslast in Grenzen hält und die Zinsen fix sind. Selbst eine Zinserhöhung würde das Unternehmen nicht gefährden.

American Water Works Verschuldung

Operative Marge

Die operative Marge zeigt uns, wie effizient das Unternehmen arbeitet, heißt wie viel bleibt nach der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (also ohne Einmaleffekte wie Immobilienverkauf oder plötzlichen Abschreibungen) übrig.

Idealerweise steigt die Marge immer, da die Gewinnmaximierung das Ziel eines jeden Unternehmens sein sollte, um in der Marktwirtschaft zu bestehen. Das ist bei American Water Works leider nicht ganz der Fall. Sowohl Umsatz als auch EBIT steigen, die Marge aber bleibt ungefähr gleich. Das ist nicht weiter schlimm, vor allem nicht, weil die Marge mit über 33% relativ hoch ist. Auch ist es nicht schlecht, weil sie stabil bleibt, was wiederum bedeutet, dass das Geschäftsmodell ausgereift ist.

American Water Works Operative Marge

Fazit

American Water Works ist für mich auf jeden Fall eine Investition wert. Sollte sich der Preis dem fairen Wert weiter annähern, werden wir zuschlagen. Dann besäßen wir neben Encavis als Stromanbieter aus Deutschland, Shell als Öl- und Gasanbieter aus den Niederlanden, National Grid als Strom- und Gasnetzwerkanbieter aus Großbritannien auch noch einen Wasserversorger aus den USA. Damit hätten wir eine sehr gute Diversifikation in diesem Segment erreicht.

Leider kann man dieses tolle Unternehmen nirgends besparen. Aber eventuell möchtest du in Union Pacific oder Weyerhaeuser investieren? Dann eröffne doch gleich ein Konto bei der Consorsbank und erhalte 20 EUR, wenn du 12 Monate lang dieselbe Aktie besparst => Consorsbank Sparplan. Diese 20 EUR kann man natürlich auch als kleine Extra-Dividende betrachten 😉

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