Aktienanalyse: Encavis AG

Die Encavis AG entstand im Jahr 2017 aus dem Zusammenschluss der Capital Stage AG und der CHORUS Clean Energy AG. Dabei setzt sich der Name aus Energy / Capital / Vision zusammen.

Das Kerngeschäft ist der Erwerb und der Betrieb von Solar- und Windparks, wobei die Gesamterzeugungsleistung im Moment 2,4 Gigawatt beträgt.

Neben diesen Tätigkeiten werden bestehende eigene und fremde Projekte technisch betreut. Institutionellen Investoren werden noch Portfolios für Investitionen in erneuerbare Energien angeboten.

Die Solaranlagen und Windparks sind idealerweise über ganz Europa verteilt. In Westeuropa fehlen nur noch die Niederlande, Schweiz & Norwegen. Irland ist in Verhandlung und wird bald auch Strom für Encavis herstellen.

Die höchste installierte Leistung an Windenergie befindet sich in Deutschland, dicht gefolgt von Dänemark. Bei den Solaranlagen steht Deutschland an Platz 1 mit 262 Megawatt, Frankreich an Platz 2. Die im Bild als „under construction“ markierte Spanische Leistung wurde bereits fertiggestellt und ist bereits teilweise am Netz.

Standorte_Encavis
Standorte_Encavis

Weltweit steigende Kapazitäten erneuerbarer Energien spielen Encavis in die Karten, da sie mit dem Segment der technischen Betreuung von Wind- und Solarparks zusätzlichen Umsatz generieren beziehungsweise schlüsselfertige Projekte übernehmen können, die sich durch das hohe Angebot relativ schnell amortisieren.

Wachstum_Encavis
Wachstum_Encavis

Disclaimer

Wir können teilweise selbst, direkt oder indirekt im Besitz der angesprochenen Wertpapiere sein. Die Unternehmensanalyse stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Die analysierte Aktie unterliegt Kursschwankungen. Im Extremfall ist ein Totalverlust möglich.

Dividende

Bei den Dividenden ist Encavis eine Klasse für sich. Das Management gab 2018 bekannt, dass bis 2022 die Dividende 0,32 EUR je Aktie betragen soll. Jetzt in 2020 wurden 0,26 EUR für das Geschäftsjahr 2019 festgelegt. Die nächsten Schritte werden daher 0,28 EUR, 0,30 EUR und zum Schluss dann die 0,32 EUR sein.

Dividende_Encavis
Dividende_Encavis

Bei einem heutigen Börsenkurs von 12,40 EUR entspricht das einer Dividendenrendite von 2,6%. Setzt man die nächste Dividende von 0,28 EUR ins Verhältnis zum heutigen Kurs, erhält man nur schmale 2,3%.

In der Grafik erkennst du auch wunderbar die zukünftigen Dividendensteigerungen: Im Schnitt werden es 7,8% p.a. bis 2022 sein.

Bei einer Rendite von 2,6% – bei entsprechender Haltedauer – wird man eine stabile Dividende erhalten, die von einem Energieversorger gezahlt wird, dessen Geschäftsmodell nicht zyklisch ist. Für meinen Geschmack zu wenig.

Ausschüttungsquote & operative Marge

Dividenden sollten nur in den seltensten Fällen aus der Substanz gezahlt werden. Um zu überprüfen, ob Encavis seine Ausschüttung aus dem Cash Flow bezahlt und die Ausschüttungsquote gering ist, was ein sehr gutes Indiz für eine sichere Dividendenausschüttung ist, schauen wir uns diese Grafik einmal an.

Ausschüttungsquote_Encavis
Ausschüttungsquote_Encavis

Zum einen beträgt die Ausschüttungsquote seit 2017 gerade einmal 20%. Das ist auch bitter nötig, da die Schulden doch recht hoch sind und auch mal abgetragen werden müssen. Positiv an der niedrigen Quote ist, dass viel Platz für Steigerungen nach oben vorhanden ist bzw. dass die Dividendenhöhe wahrscheinlich stabil bleibt sollten die Umsätze sinken.

Die operative Marge bei Encavis ist enorm. Nach etwas Hin und Her hat sie sich nun bei 70% eingependelt. Im Vergleich zum Einzelhandel, der bei 5 – 7% Marge steht.

Fairer Wert anhand der Dividendenrendite & des Cash Flow

Eine Aktie sollte man nicht zu jedem Preis kaufen. Selbstverständlich ist Market Timing langfristig unmöglich aber es ist nicht egal, zu welchem Preis man eine Aktie kauft.

Es gibt sehr viele Möglichkeiten den fairen Wert einer Aktie zu bestimmten. Ich benutze hierfür die Dividendenrendite und den Cash Flow.

Anhand historischer Daten kann man errechnen, welchen Preis der Markt bereit war zu bezahlen, wenn das Unternehmen eine bestimmte Dividende ausschüttete oder einen Cash Flow erreichte.

In der Grafik siehst du in Grau den täglichen Kursverlauf. In grün den fairen Wert der Aktie nach Dividendenrendite und in orange den fairen Wert nach Cash Flow.

Fairer Wert_Encavis
Fairer Wert_Encavis

Gut zu erkennen ist in 2017 und 2018 eine deutliche Unterbewertung. Das ist zu erklären, da es sehr viele Short-Positionen zu der Zeit gab und diese den Preis senkten, da auf einen Wertverlust spekuliert wurde. Mit der Zeit wurden die Positionen gelöscht und als dann der größte Short-Seller seine Positionen aufgab, explodierte der Kurs.

Das anhaltend sonnige Wetter erzeugt immer mehr Strom und Encavis kann seine Umsätze schneller steigern als vom Markt erwartet. Gleichzeitig gibt es einen „Grünen“ Hype und die Nachfrage stieg sprunghaft an.

Derzeit beträgt der faire Wert der Aktie nach Dividendenrendite 8,50 EUR. Nach Cash flow sind es 9,61 EUR. Der aktuelle Kurs hingegen beträgt 12,40 EUR, was einer Überbewertung von 29% – 46% entspricht.

Meiner Meinung nach muss das Unternehmen nun in diese Bewertung hineinwachsen. Und das kann dauern. Eventuell hat sich der Markt auch etwas zu sehr an den Erfolg von Encavis gewöhnt. In allen letzten 6 Quartalsergebnissen wurden die Erwartungen übertroffen. Somit könnte diese hohe Überwertung zum Teil damit erklärt werden. Sollten die Ergebnisse einmal nicht die Erwartungen übertreffen, dann könnte die Aktien nachgeben und es ergibt sich eine Kaufgelegenheit.

Verschuldung

Eine hohe Verschuldung hat zwei negative Aspekte. Zum einen ist die Dividendensicherheit nicht gegeben und zum anderen kann das Unternehmen in Abhängigkeit geraten und muss letztendlich Insolvenz anmelden.

Generell gilt eine kurzfristige Verschuldung, die das Dreifache des EBIT beträgt, als unbedenklich. Summiert man alle Schulden zusammen, sollte das Verhältnis nicht größer als 6 sein.

Verschuldung_Encavis
Verschuldung_Encavis

Die kurzfristigen Verbindlichkeiten bei Encavis sind weit von der magischen Grenze „3x“ entfernt. Hier herrscht also Entwarnung. Die langfristigen Verbindlichkeiten hingegen haben sich auf einem Niveau von unter 12x eingependelt. Das ist nicht weiter verwunderlich, da Encavis in einer sehr kapitalintensiven Branche agiert.

Fazit

Encavis war für mich ein Glücksgriff. Ich habe mir eine Sendung von Echtgeld.TV angeguckt und es wurde auch diese Aktie vorgestellt. Ich hatte die Gedanken, dass die Sonne immer scheint und der Wind immer vorhanden sein wird. Gleichzeitig profitiert Encavis von Subventionen, was stabile Erträge garantiert. Nach weitergehender Recherche konnte ich dann feststellen, dass das Geschäftsmodell auch ohne Subventionen profitabel wäre.

Die niedrige Ausschüttungsquote und die relativ hohe Steigerung der Dividenden waren dann letztendlich die endgültige Entscheidung.

Die hohe Verschuldung macht mir nichts aus. In Zeiten von derart niedrigen Zinsen, wäre es irrational, wenn ein Unternehmen mit dem Fremdkapital nicht arbeiten würde.

Letztendlich entschied ich mich mit einer ersten Tranche von 1.500 EUR einzusteigen. Derzeit beträgt der Wert über 3.090 EUR und unsere Dividendenrendite beträgt noch hohe 4,1% anstatt 2,1%, wenn man zum aktuellen Kurs kaufen würde.

Aufgrund der sehr hohen Überbewertung habe ich den neu erstellten Sparplan pausiert und werde eher durch Einzelkäufe bei Kurseinbrüchen nachlegen. Auf jeden Fall muss ich auf meine 3.000 EUR Einstandswert kommen, damit Encavis 2,5% meines gesamten Portfolios ausmacht. Aber ich möchte ungern so viel dafür bezahlen.

Du möchtest Encavis AG ebenfalls besparen? Dann eröffne doch gleich ein Konto bei der Consorsbank und erhalte 20 EUR, wenn du 12 Monate lang dieselbe Aktie besparst => Consorsbank Sparplan. Diese 20 EUR kann man natürlich auch als kleine Extra-Dividende betrachten 😉

2 Gedanken zu „Aktienanalyse: Encavis AG

  1. erick

    Hallo Michael,

    vielen Dank für die Analyse. Ich beobachte Encavis auch seit einiger Zeit; habe den leider Einstieg »verpasst«; bin gespannt, wie sich das Unternehmen weiterentwickelt. Allerdings läßt sich Encavis bei der consorsbank nicht besparen, aber bei der ING.

    Grüß,
    Erick

  2. admin Autor des Beitrages

    Evtl. wäre dann noch ein kostenloses Depot bei der Comdirect etwas für dich. ING kostet bekanntlich 1,75%, COD nur 1,5%. Grüße!

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