Geld verdienen mit Grundbedürfnissen: Wasser

Lieber Kapitalist & lieber Sozialist,

solltest du links/grün wählen, solltest du hier auf jeden Fall weiterlesen. Alle anderen aber natürlich auch. Dich erwartet eine kurze Einführung in das Thema Wasserversorgung, weshalb Wasser Geld kosten muss und zum Schluss vergleiche ich US-Amerikanische Wasserversorger, die an der Börse gelistet sind und dir somit die Möglichkeit bieten mit Wasser Geld zu verdienen.

Wasserkosten

Wasser wird heutzutage nicht mehr mit einem Eimer aus einem Brunnen geholt und ins Haus geschleppt (Die Personalkosten wäre außerdem immens). Hochmoderne Pumpsysteme leiten das Wasser vollautomatisiert zur chemischen oder maschinellen Aufbereitung. Im Kontrollraum wird rund um die Uhr geprüft, ob der Wasserdruck in den Rohren stimmt. Wenn nicht, müssen Techniker die Rohre reparieren oder gar neue Leitungen legen. Labore entnehmen durchgehend Proben, um die Wasserqualität auf höchstem Niveau zu halten.

Durch stetig steigende Nitratwerte im Grundwasser und weitere chemische Rückstände, müssen neue Technologien erforscht werden, die unser Wasser reinigen. Diese Entwicklungen müssen gekauft und installiert werden. Von daher muss Wasser Geld kosten!

Die anbietenden Unternehmen müssen ebenfalls einen Gewinn erzielen, um Anreize zur Prozessoptimierung zu erhalten. Dadurch wird in einem offenen Markt gewährleistet, dass die Preise niedrig bleiben. Und Anreize zum Geldsparen fehlen, wenn die Wasserversorgung vom Staat durchgeführt wird.

Man sieht es an vielen anderen Stellen in Deutschland. Unternehmen reagieren sehr viel schneller auf veränderte Nachfragen als der Staat. Dieser baut nämlich Kanäle, Wohnungen & Straßen, wo keine gebraucht werden. Daher gehört die Wasserversorgung mehr in private als in staatliche Hände.

Übernimmt der Staat die Wasserversorgung, sind die Kosten für den einzelnen sehr viel höher als bei Privatanbietern. Auf den ersten Blick erscheint dies paradox aber da der Staat mit seinem Geld nicht haushalten muss, weil er keinen Gewinn erzielt, hat er keinen Anreiz die Prozesse zu optimieren und Kosten einzusparen. Höhere Kosten werden einfach durch höhere Steuern ausgeglichen, also quersubventioniert. Ein privates Unternehmen kann es sich nicht leisten langfristig Verluste zu realisieren. Es würde vom Markt verschwinden.

Tödliche Fallen

Geld verdienen mit Wasser

Leider gibt es in Deutschland noch keine Wasserversorger, die an der Börse gelistet sind. Das wird sich langfristig jedoch ändern müssen. Daher habe ich einige US-Amerikanische Unternehmen herausgesucht und analysiert. Es sind keine Kaufempfehlungen!

  • American Water Works – 15,00 Mio. Haushalte – 3.440,0 Mio. $ Umsatz (2018)
  • California Water – 0,52 Mio. Haushalte – 698,2 Mio. $ Umsatz (2018)
  • SJW Group – 1,04 Mio. Haushalte – 397,7 Mio. $ Umsatz (2018)
  • Middlesex Water – 0,28 Mio Haushalte – 138,1 $ Mio. Umsatz (2018)
  • Connecticut Water – k.A. zu Haushalten – 116,7 Mio. $ Umsatz (2018)

Wasserversorger sind ziemlich langweilige Aktien. Daher ist die Volatilität auch ziemlich gering. Da die Zinsen für Staatsanleihen so niedrig sind, haben Investoren ein Auge auf Versorger geworfen, da diese als ähnlich sicher eingestuft werden. Sollten die Zinsen steigen, was auf absehbare Zeit nicht geschehen wird, werden die Kurse wieder sinken. Leider sind im Moment alle Versorger überbewertet und man sollte auf eventuelle Rücksetzer warten.

Ausschüttungsquote

Je geringer die Ausschüttungsquote, desto höher können die Dividenden gesteigert werden, ohne eine substanzgefährdende Höhe zu erreichen. Ich persönlich definiere die erste Grenze (gelbe Karte) bei 50% Ausschüttungshöhe vom operativen Cashflow. Die rote Karte bekommt das Unternehmen bei über 75% Ausschüttungsquote.

Bei den von mir vorgestellten Unternehmen erhält keines die gelbe Karte. Nur Connecticut Water liegt etwas höher als die Peer-Group.

Dividendensteigerung

Je höher die Dividendensteigerung, desto schneller wächst das passive Einkommen aus Dividenden. Beispielrechnung: Bei einer durchschnittlichen Steigerung von 10% und einer Anfangsrendite von 2,5%, verdoppelt sich die Dividendenrendite bereits nach nicht einmal 9 Jahren. Eine Verdreifachung der Dividendenrendite gibt es bei ca. 13 Jahren.

Die höchste Steigerung der letzten 5 Jahre hatte die SJW-Group. Die Ausschüttungsquote ist auch bei unter 30%. Daher ist hier mit weiteren hohen Steigerungen zu rechnen. Am anderen Ende hat die geringe Steigerung, die gerade nur ein paar Prozentpunkte über der durchschnittlichen Inflation liegt, California Water. Diese haben jedoch die geringste Ausschüttungsquote aller verglichenen Unternehmen. Hier sind Steigerungen in den nächsten Jahren möglich. Jedoch steht Kalifornien vor großen Herausforderungen in der Wasserversorgung. Eventuell wird hier Kapital für hohe Investition bei Seite gelegt und nicht ausgeschüttet.

Der Marktführer American Water Works hat in den letzten Jahren eine gesunde Steigerung der Dividenden an den Tag gelegt und bei der geringen Ausschüttungsquote wird die Steigerungshöhe wohl bis 2022 beibehalten. Laut meinen weiteren Berechnungen könnte die Steigerungsrate sogar auf über 10% p.a. steigen und die Ausschüttungsquote wäre im Jahr 2025 bei ca. 31%.

Verschuldung zum Cashflow

Was bringt die höchsten Rendite und Steigerung, wenn das Unternehmen überschuldet ist? Eine Überschuldung führt zur Abhängigkeit von Kreditgebern und man wird zum Spielball der Finanzmärkte.

Da Versorger einen sehr hohen Kapitalbedarf haben, um die Infrastruktur aufrechtzuerhalten, ist die Verschuldung etwas höher als in anderen Branchen. Normalerweise gehe ich davon aus, dass ein Wert unter 4 hervorragend und ein Wert unter 6 gut ist. Bei kapitalintensiven Unternehmen verschieben sich die Grenzen auf 8 und 12.

Tödliche Fallen

Die amerikanische Infrastruktur steht vor großen Herausforderungen. Die Wasserrohre sind teilweise stark beschädigt und viel Wasser geht verloren. Die Verschuldungsquoten werden daher steigen. Jedoch werden die Unternehmen die Preise an die Kunden weitergeben und die höheren Kosten ausgleichen können. Der Staat wird auch mit Subventionen unterstützen müssen, da er für günstiges Wasser sorgen möchte. Aufgrund dessen sehe ich eine zu hohe Verschuldung bei diesen Oligopolen nicht all zu kritisch, insbesondere, weil die Zinsen für Fremdkapital in nächster Zeit nicht steigen werden.

Keines der vorgestellten Unternehmen befindet sich unter der ersten Grenze. Bis auf Connecticut Water sind sie alle hart an der zweiten Grenze von 12. Wenn man sich näher mit einem Investment beschäftigen möchte, sollte man den Jahresabschlussbericht 2018 lesen, in welchem immer alle Verbindlichkeiten und Investitionen aufgelistet sind.

Ich hoffe, dass ich dir ein Investment in die Ressource Wasser schmackhaft machen konnte. Neben den Versorgern gibt es auch Unternehmen wie Xylem, die Technologie zur Wasseraufbereitung entwickeln. Es ist daher nicht immer schlecht mit Grundbedürfnissen Geld zu verdienen. Diese Unternehmen benötigen nämlich Geld von der Börse und nicht nur von Banken, um ihre Forschung zu finanzieren.

Ich wünsche dir ein glückliches Händchen an der Börse!

Michael

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